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Interview mit Tony Prince

Tony Prince when he was young

MARK VAN HUISSELING trifft…

Bei «Radiopirat und Geschäftsmann» denkt man an jemand anderen – bei uns jedenfalls.

Ich hätte unsere Verabredung fast verschieben müssen, weil ich aus Ibiza komme und der Flieger Verspätung hatte …» – «Sie waren auf Ibiza? Mein Sohn lebt dort.» – «… soviel ich weiss, sind Sie selber oft dort.» – «Ja, ich hatte oft dort zu tun; es ist ein gutes Leben, wenn man es sich ermöglichen kann.» – «Ja, ja. Mein Eindruck, ganz allgemein: Radiostationen stecken in Schwierigkeiten, überall, Disc Jockeys haben Erfolg.» – «Das ist nett ausgedrückt.» – «Sind Sie einverstanden?» – «Ja. Der Grund ist, dass die Musikwelt überbevölkert ist. Und Musik ist so einfach zu bekommen, man kann sie downloaden und so weiter. Ich war in Los Angeles, traf einen Freund und fragte seine 15-jährige Tochter, was sie für Radiostationen höre. Sie sagte: ‹Ich höre kein Radio.› Unglaublich.» – «Hört sie denn Musik?» – «Sie hört viel Musik, und ich fragte: ‹Wo findest du deine Musik?› Sie antwortete, ihre Freunde finden sie, die wüssten, welche Musik sie möge.»

Tony Prince, geboren Thomas Whitehead in Oldham bei Manchester, 69, ist ein Radio Disc Jockey (bei uns: Moderator) und Geschäftsmann (Wikipedia). In den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hörte man ihn auf Radio Luxembourg und Caroline; Caroline war ein sogenanntes Piratenradio, das von einem Schiff in der irischen See sendete. Der Film «Radio Rock Revolution» (von Richard Curtis, mit Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy) erzählt zum Teil die Geschichte. Danach gründete er das Magazin Mixmag, die Klub-Kultur-Bibel (Eigenreklame); er verkaufte es später an den britischen Medienkonzern Emap International für damals acht Millionen Pfund. Dieses Gespräch fand statt, als er wegen des International Radio Festivals in Zürich war.

«DJs in Nachtclubs sollen aufhören, nach jedem Lied zu sprechen» – Tony Prince

«Was raten Sie Radiochefs, damit sie im Geschäft bleiben?» – «Zurück zum Start: es braucht DJ-Persönlichkeiten. Erinnern Sie sich an Radio Luxembourg? Jeder DJ war eine Persönlichkeit. Heute hört man das bloss noch in Morgenshows, allerdings reden diese DJs zu viel, finde ich. Die Zukunft ist, so sieht’s aus, Internet-Radio; das Radio als Gerät, wie wir es kennen, ist wohl bald vorbei, sogar im Auto.» – «An den DJ als Geschäftsmodell glauben Sie aber, nicht wahr?» – «Ja. Heute ist zwar jeder ein DJ, schon Kinder machen Mixtapes in ihrem Zimmer. Aber weil es so unglaublich viel Musik gibt im Internet, braucht es professionals, die die Musik finden für einen, die man hören will. Und deren Stimme, Haltung oder Humor man mag. Oder DJs, die man mag, weil sie nicht reden – ich war Programmdirektor von Radio Luxembourg und bekam ein Band zugeschickt, das war 1981, auf dem der DJ nicht sprach. Zuerst dachte ich: ein Spinner. Doch dann stellte ich ihn an und wir wurden Mix-Pioniere mit DMC [Disco Mix Club, eine Show auf Radio Luxemburg], und in meiner Zeitschrift Mixmag predigte ich, DJs in Nachtclubs sollen aufhören, nach jedem Lied zu sprechen, was normal war, weil sie Radio-DJs nachmachten. Wir bekamen haufenweise Anfragen, alle wollten DJs, die nicht reinredeten. Heute ist das normal, kein Club-DJ redet mehr, und jeder ist auch ein Produzent. Doch ich glaube, auch Radio-DJs können wieder Könige sein.»

Young Tony Prince and Cliff Richard

«Roger Schawinski?»

«Gibt es eigentlich noch Piratenradios in London? Eine Zeit lang gab es viele solche.» – «Ja, die gibt es noch.» – «Weshalb betreibt heute einer ein illegales Radio in einem Keller, wenn er es über das Internet verbreiten kann, was erlaubt ist?» – «Ich weiss es nicht, ich glaube, es ist ein Hobby, und ich weiss nicht, ob jemand diese Sender hört. Es ist schon schwer genug, für legale Radiostationen Hörer zu finden.» – «Haben Sie den Namen Roger Schawinski schon einmal gehört?» – «Nein.» – «Er hat, unter anderem, das Piratenradio in der Schweiz erfunden.» – «Wann war das?» – «Ungefähr 1979.» – «Yeah, well, Radio Caroline begann 1964. Ich muss aber sagen, das erste Piratenradio war, soviel ich weiss, ein schwedisches. Von denen hatte Ronan O’Rahilly [Radio-Caroline-Gründer] die Idee.» – «‹Ich kann Oldies nicht mehr hören›, war die Überschrift eines Interviews mit Ihnen [Newsnetz], tatsächlich?» – «Ich denke, das war wohl ein Übersetzungsfehler. Was ich gesagt habe: Ich bin nicht in der Vergangenheit hängengeblieben mit meinem Musikgeschmack … Das ist etwas anderes. Ich höre immer noch viel von Elvis zum Beispiel.» – «Können Sie sagen, von welchem Künstler Sie zuletzt ein Album oder eine Single gekauft haben?» – «Nein, kann ich nicht. Ich höre viel neue Musik auf BBC Radio 6 Music.»

Tony Princes Lieblingsrestaurant

«‹The Cliff› [Derricks, St. James, Barbados, Telefon +1 246 432 1922], magic, magic. Das war eine einfache Frage.» – «Viele Leute finden das die schwerste Frage.» – «Tolles Interview, wie wenn Sie mich in Ihrem Wohnzimmer befragt hätten.»

DJ Antoine legt in Karlsruhe auf
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DJ Antoine

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Das meistgenannte Lieblingsrestaurant: Die Kronenhalle

Wo Roger Schawinski und Anatole Taubman speisen

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