Interview mit DJ Antoine

Interview with DJ Antoine

MARK VAN HUISSELING trifft… 

«DJ Antoine» Konrad

Die Deutschen, die richtig grossen Radios, sagen: ‹Endlich kommt er mit der neuen Single, wir wollen sie spielen.›

Hast du den Sommerhit 2014 bereits produziert?» – «Heute ist er herausgekommen – ‹Light It Up›.» (Das Gespräch fand statt vergangenen Freitagabend in der «Angels’ Bar» des Hotels «Radisson Blu» am Zürcher Flug­hafen.) «Und das wird der Sommerhit?» – «Das weiss ich nicht, aber es ist das erste Mal, dass ich ein Sample [Ausschnitt einer Musikaufnahme] in einem, in Anführungs- und Schlusszeichen, Hit habe – es ist ja ‹Tarzan Boy› drin, aber nur das Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh. Pro Sieben ist mit einer Riesenkampagne in Deutschland eingestiegen, zum ersten Mal bei einem jüngeren Act; heute ist Premiere, in der Primetime.» – «Und am Radio wird das Stück auch gespielt?» – «In der Schweiz ist es so, dass sie [Musikchefs] nicht sagen: ‹Oh, wow, DJ Antoine, haben wir schon drauf gewartet . . .› Die Deutschen, die richtig grossen Radios, sagen: ‹Endlich kommt er mit der neuen Single, wir wollen sie spielen.›»

«DJ Antoine» Konrad, 38, ist House-Disc­jockey, Musikproduzent und Labelchef. Seinen internationalen Durchbruch hatte er 2011 mit der Single «Welcome to St. Tropez» (Wikipedia). Seinen nationalen Durchbruch oder – bitte die Formulierung entschuldigen – Durchfall hatte er einige Jahre zuvor. Was ich sagen will: Bei uns gehört es, vor allem unter Meinungsbildnern und anderen Leuten, die sich als Kenner von Popkultur verstehen (Ihren Kolumnisten eingeschlossen), zum guten Geschmack, ihn schlecht zu finden. Und zwar sowohl seine ­Musik (weil zu kommerziell) als auch seinen Auftritt (weil zu bling). Persönlich mag ich ihn – er ist fleissig, freundlich, smart, und man kann sich auf ihn verlassen. Ein Profi halt. Er lebt mit seiner Freundin, einem niederlän­dischen Model, in der Nähe von Basel; er hat aus einer früheren Beziehung einen Sohn.

Unsexiest place in Switzerland

«Du warst heute im Studio, in Olten, und nach dem Gespräch fliegst du nach Düsseldorf – nicht grad die Achse des Coolen.» – «Da muss ich widersprechen: Düsseldorf ist, fashiontechnisch und clubtechnisch, auf einem sehr hohen Level. An unsere letzte Party in der ‹Nachtresidenz› vor sechs Wochen kam, wenn das vielleicht auch nicht dein Genre ist, Paris Hilton. NRW [Nordrhein-Westfalen] ist kaufkraftmässig das stärkste Einzugsgebiet von ganz Deutschland.» – «Und heute Nacht legst du wieder auf in Düsseldorf?» – «Noch schlimmer, in Bochum. Dort gibt’s einen Club, ‹Prater›, der hat ein Fassungsvermögen von 5000 Leuten, ein Super-Laden. Und Olten – unsexiest place in Switzerland, aber gastronomisch top, zum Beispiel die ‹Traube› in Trimbach. Und im Studio, im Haus meines Partners, ist ‹Welcome to St. Tropez› entstanden und ‹Ma Chérie› und ‹Bella Vita›, im schrecklichen Olten.» – «DJ Bobo­ sagte, verkürzt, er sei künstlerisch Mittelmass, aber als Manager und Realisierer von Shows herausragend. Wie beschreibst du dich?» – «Ich bin der mit dem kommerziellen Gehör für den richtigen Hit, der weiss, wie man sich vermarkten muss und – brauchst du noch was Negatives?» – «Muss nicht sein.» – «Und endlosem Biss, an der Spitze anzukommen. Bobos Aussage ist selbstkritisch, aber es tönt, als wäre er bereits angekommen.»

«Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh»: Konrad; Discjockey, Musikproduzent, Labelchef; 38. Bild: Vera Hartmann

Der Augenblick für ein Upgrading deiner Musik?

«Zurzeit bringen zum Beispiel Pharrell Williams oder Daft Punk Tanzmusik-Welthits heraus, die Kritiker und das Publikum lieben – ­wäre das nicht der Augenblick für ein Upgrading deiner Musik?» – «Wenn du kommerziell erfolgreich bist, aber die gewisse Coolness, die Daft Punk oder Pharrell Williams haben, nicht hast, wirst du die auch nie bekommen. Das zu ändern, wird dir nicht gelingen, du kannst es nie allen recht machen. Daft Punk, Pharrell oder auch Yello haben einfach von Anfang an diese Schiene erwischt, bewundernswert. Das würde ich nicht hinbekommen. Und das will ich auch gar nicht. Ich kann nicht sagen: ‹Stoppen wir – und werden elektronisch, intellektuell.›»

«Es gibt auch Schweizer DJs, die werden von Kritikern für gut gefunden – und verdienen ganz hohe Gagen, Luciano etwa.» (Lucien «Luciano» Nicolet aus Genf, angeblich 30 000 bis 70 000 Euro je Auftritt.) «Das ist ein Phänomen – wenn du auf der Strasse fragst, den kennt kein Mensch. Und was er musikalisch macht, finde ich speziell, eigentlich den House von vor zwanzig Jahren. Aber was mir Spass macht: wenn das Publikum meine Songs mitsingt. Das war mein Ziel.» – «Du bist von Anfang an aufgetreten, wie wenn du schon der Pop- oder Rap-Star wärst. Hat das deiner Laufbahn geschadet?» – «Es gibt Momente, wenn ich zurückschaue, in denen ich finde, das war vielleicht ä bitz too much. Aber das ist meine Art, ich könnte nicht bescheidener tun. Weil mir das Spass macht.»

Sein liebstes Restaurant: «‹Wine Loft› und ‹Da Angela›.»«Caduff’s Wine Loft», Kanzleistrasse 126, Zürich, Tel. 044 240 22 55.«Da Angela», Hohlstrasse 449, Zürich, Tel. 044 492 29 31.

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